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Der Welt entfliehen mit „CALM“ von 5SOS

Es ist jetzt sieben Jahre her, dass ich 5 Seconds Of Summer das erste Mal live gesehen habe. Im April 2013 in der O2 Arena in London: Damals noch als Support von One Direction. Die Band kannte ich schon länger von ihren YouTube Videos und der ersten EP „Somewhere New“. Heute kann ich deshalb mit Glück sagen, dass ich 5SOS schon lange verfolge und ihre immer besser werdenden Alben jedes Mal aufs Neue liebe. Mit ihrem vierten Studioalbum „CALM“ schenken sie uns wieder eine LP, die divers und modern klingt, zugleich lyrisch fast vollkommen ist.

Es gibt wenige Bands, die ich seit so langer Zeit verfolge. Aber 5SOS machen es einem leicht. Nicht nur mit ihrem unverwechselbarem Sound, sondern auch in der Art und Weise, wie sie es immer schaffen, sich neu zu definieren. Ja, das macht sie aus: die musikalische Entwicklung der Band ist so stark, wie ich sie selten sehen.

12 Tracks verpackt in knapp 40 Minuten bringen neben unschlagbaren Base-Lines, auch Texte, die auf ihre eigene Art und Weise undurchsichtig und trotzdem nachvollziehbar sind. Zwischen „Red Desert“ und „High“ ist nicht nur die Emotion eine Achterbahnfahrt. Auch klanglich herrscht Diversität und eine volle Produktion, die bis zum Ende durchdacht ist. So endet die Platte in fast der selben düsteren Stimmung, in der sie beginnt – dennoch ist etwas anders: die Hoffnung.

Die Leichtigkeit, die daraufhin in „No Shame“ entsteht, trägt sich bis in Track 3. „Old Me“ beschreibt genau die Nostalgie aus den vorherigen Platten. „Youngblood“, der Vorgänger, war bereits ein riesiger Sprung in Sachen Selbstverwirklichung und das geht auf „CALM“ noch ein Stück weiter. „Easier“ war mein Favorit der bisher veröffentlichten Singles des Albums. Als erste Single zeigte sich darin für mich direkt die neue Sound-Richtung, die die Jungs einschlagen würden – und damit meine ich nicht, dass diese LP vorhersehbar war, denn das war sie nicht.

Auch die zweite Single „Teeth“ mit seinen industriellen Beats lies zwar eine Verbindung zwischen den beiden Songs erkennen, war trotzdem aber eine ganz andere Nummer. „Wildflower“ schafft für mich die Brücke zwischen den vertrauten Sounds aus „Youngblood“ und der neuen Vielfältigkeit. Diese zeigt sich ähnlich in „Best Years“, einer ruhigen Ballade und „Not In The Same Way“ als hymnenhafter Hallenfüller. „Lover Of Mine“ bringt ein Stück weit Ruhe in die anfängliche (durchaus positive) Aufruhr der vorherigen Lieder.

Kopfhörer auf, Welt aus

Lyrische Selbstreflexion kommt besonders zum Ende der Platte zur Geltung. Ob durch die Verletzlichkeit in den Texten auf „Thin White Lies“ oder in den sauberen, fast ruhigen Chören in „Lonely Heart“. „High“ bringt den krönenden Abschluss. Hoffnungsvoll berührende Lyrik über versuchte Veränderungen lässt einen ankommen – und das: in den eigenen Armen.

5 Seconds Of Summer zeigen auf „CALM“ ihre Vielfältigkeit und Fähigkeit zur Reflexion. Nostalgie und Hoffnung auf die Zukunft bleiben dabei nicht auf der Strecke, sodass von Anfang an ein stimmiges Bild zwischen euphorischen Sounds und innerem Frieden entsteht. Mit „CALM“ können wir der Welt in bester musikalischer Gesellschaft entfliehen. Calum, Ashton, Luke und Michael.

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