InLifestyle, Musik

Warum das Fan-Sein einen das ganze Leben begleitet | Teil 2 von 6

You’ll never love yourself half as much as I love you
You’ll never treat yourself right darling but I want you to
If I let you know, I’m here for you
Maybe you’ll love yourself like I love you oh

„Little Things“ | Take Me Home: Yearbook Edition [Track 3] – One Direction

„Hi, we’re One Direction and this is our video diary.“ – Ich kann nicht sagen, wie oft ich diesen Satz gehört habe. Es muss sich um unzählige Male handeln. Die fünf Jungs von der Treppe – Harry, Liam, Louis, Niall und Zayn – hatten es mir angetan.

Als ich sie entdeckte, waren sie schon längst weg von der Casting-Show, für die sie die Videotagebücher drehten. Es war schon längst entschieden, dass sie trotz enormen Erfolg nicht den ersten, sondern den dritten Platz der Show belegten. Aber wie Zayn nach der Entscheidung sagte, „war das nicht das letzte“, was man von ihnen hören sollte. 

Die Video-Tagebücher fingen in den Live-Shows bei „X-Factor“ an und wurden auch nach der Show zu einem essenziellen Teil der Online-Vermarktung der Jungs. Nach einer Tour mit „X-Factor“ ging es weiter ins Studio, um das erste Album aufzunehmen – und ungefähr zu der Zeit komme ich ins Spiel. Die ersten beiden Singles „What makes you beautiful“ und „Gotta Be You“ waren bereits erschienen und meine Vorfreude auf das Album dementsprechend riesig. Ich weiß noch genau, wie ich die „Up All Night – Germany Edition“ vorbestellt habe und endlich mehr als nur zwei Singles hören konnte.

Mir fehlte in meinem Fan-Sein zu dem Zeitpunkt nur eins: eine Möglichkeit, mit One Direction zu kommunizieren. Twitter war damals in Deutschland noch eine eher unbekannte Plattform, zumindest in meiner Generation. Sie erfüllte für das Fan-Sein aber genau die richtigen Voraussetzungen: Ich konnte nun nicht nur mit meiner Lieblingsband direkt kommunizieren, sondern auch andere Fans waren leicht zu finden. Damals war die Followerschaft der Band noch nicht riesig und ich meine, mich erinnern zu können, dass sie so um die 100.000 Follower hatten. Irgendwie unvorstellbar, dass es jetzt 40 Millionen sind. Die Verselbstständigung ihres Erfolgs war zugleich das schönste, aber auch das schlimmste am Fan sein. Dazu möchte ich aber in einem anderen Teil mehr erzählen. 

Die Möglichkeit, mit einem der Fünf in Kontakt treten zu können, änderte alles für mich. Ich verbrachte enorm viel Zeit damit, ihre Tweets zu verfolgen, andere Fans kennenzulernen und fing an, meinen Freundinnen von der Band zu erzählen. Ich postete alles, was ich wissen wollte, bereits wusste und so weiter. Ein Mädchen, das ich noch nicht lange kannte als ich Fan wurde, war Meike. Ich erzählte auch ihr von den Jungs auf der Treppe und zeigte ihr alle Videos, die das Internet hergab. Irgendwann kam auch sie nicht mehr los und One Direction entwickelte sich langsam aber sicher zu einem essenziellen Teil unserer Freundschaft. Von diesem Tag an hatten wir etwas, das uns noch enger zusammenschweißte.

Andere meiner damaligen Freundinnen hielten nicht so viel von meinem neuen „Hobby“. Dazu muss ich sagen, dass „Fan sein“ damals – und das ist es wahrscheinlich heute noch – als so uncool galt, dass ich mich schnell ausgegrenzt fühlte. Aber wie es mit so vielen Dingen ist, wandte ich mich dadurch nur noch mehr der Community zu. Dort verstanden mich alle.

Mir war lange nicht bewusst, welch enormen Einfluss die Jungs und die Fan-Community wirklich auf mich hatten. Ich hatte sie zu einem Zeitpunkt kennengelernt, an dem ich mich nicht besonders wohl mit mir selbst fühlte und mich von keinem verstanden fühlte. Wie die meisten Teenager eben. Aber die Jungs wurden zu einer Art Rettung für mich. Nicht nur mit ihrer Musik, sondern insbesondere durch ihre Persönlichkeiten haben sie es leicht gemacht ein Zufluchtsort zu sein und ich bin mir sicher, dass genau das sich zu ihrem Erfolgsrezept entwickelt hat. Die Authentizität ihrer Persönlichkeiten. Kein auf Hochglanz poliertes Image, keine Choreographien. Einfach fünf Teenager, die die halbe Zeit Unfug trieben. Ich als Fan hatte dabei zu jeder Zeit das Gefühl, zu wissen, wie die Jungs sich fühlten. Dass sie verstanden, wie ich mich fühlte und mir Kraft gaben, all meine Probleme durchzustehen. 

Damals war ich 14 Jahre alt. Die intensivste Phase lief bis zu meinem 17. Lebensjahr und One Direction war innerhalb dieser drei Jahre fester Bestandteil meines Lebens geworden. Selbst heute, zehn Jahre später, sind sie – wenn auch auf andere Art und Weise – immer noch ein Teil von mir. Sie waren der Rettungsanker, an dem ich mich festhalten konnte. Mir erschien meine eigene Welt zu klein und ich wollte raus aus meiner Heimatstadt, die Welt sehen und einfach etwas anderes leben, als das was ich zuhause und in der Schulte tat. Viele meiner damaligen Freunde haben das nie verstanden. Die Fan-Community der Band schon.

Von Durchbruch und Neubeginn

Ungefähr zur selben Zeit, als „Up All Night“ erschien, entschied ich mich dazu, ein Halbjahr im Ausland zu verbringen. Ein halbes Jahr später ging es im Sommer 2012 für mich nach Charlotte, North Carolina. Endlich konnte ich meine Welt ein Stückchen größer machen und rückblickend war das genau das, was ich brauchte. Einfach mal raus aus meiner eigenen Komfortzone und etwas Neues machen. Allein. Zu meinem Abschied am Flughafen sind ein paar meiner Freunde mitgekommen und wir haben uns unter Tränen verabschiedet. Natürlich fiel der Abschied schwer, aber mindestens genauso groß war meine Vorfreude auf einen Neubeginn.

Während ich die Jungs, zumindest gedanklich, immer an meiner Seite hatte, habe ich in dieser Zeit viel über mich gelernt. Durch meinen ständigen Konsum an Interviews und sonstigen Inhalten auf Englisch, war die Sprachbarriere so gut wie nicht mehr vorhanden, sodass ich mich schnell eingelebt hatte.

In Amerika zu sein, während One Direction dort den Durchbruch schaffte, war eine verrückte Erfahrung. Ihre Gesichter waren überall, auf Plakaten, auf Titelseiten. Ihre Stimmen auf jedem Radiosender, in jeder Fernsehshow und ich mitten drin. Langsam wurde mir bewusst, dass ich ein Jahr lang das Privileg hatte, ihre Anfänge zu beobachten und jetzt waren sie im größten Musikmarkt der Welt angekommen und erfolgreich.

Die Zeit in der USA verging wie im Flug und eh ich mich versah, war es November und das zweite Album „Take Me Home“ wurde veröffentlicht. Die Fünf waren während meines Austauschs immer an meiner Seite und ich glaube, dass ich mich besonders dort sehr an sie gebunden habe. Sie waren ein Stück Heimat, das ich immer mit dabei hatte.

Während die Era des zweiten Albums anfing, wünschten meine Freundin, Meike, und ich bereits verzweifelt eine Tour herbei, zu der wir gemeinsam gehen konnten. Und unsere Gebete sollten erhört werden, denn als ich eines Morgens aufwachte und durch meine Twitter-Timeline las, erschienen sie vor mir. Die ersten veröffentlichten Tourdaten für Deutschland im Mai 2013.

You may also like

Leave a Reply