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Die „Fine Line“ zwischen Romantik und (Selbst-)Reflexion | eine Rezension

Freitag, der 13. Dezember 2019: Release Day für „Fine Line“, dem brandneuen Album von Harry Styles. Und ich, wie ich um Punkt 00:00 Uhr im Bett irgendwo in den Alpen mit Kopfhörern auf liege und zuhöre. Spoilern kann ich soweit: das ist mein Top-Album 2019.

Harry Styles ist 2010 als ein Fünftel von One Direction bekannt geworden. Millionen verkaufte Tonträger und vier Alben später, war es 2015 dann soweit. Die Band kündigt ihre Trennung an. Das Ende der Band war bereits damals vorhersehbar, nachdem kurz vorher Zayn Malik ausgestiegen war. Allen war klar, dass das nicht das Letzte sein würde, was von den Mitgliedern der Band zu hören war.

2017 war es dann soweit und das selbstbenannte Debütalbum von Harry Styles erscheint. Bereits da hatte er einen ganz neuen Sound für sich etabliert, jetzt, mit „Fine Line“, scheint er seinen eigenen Sound noch mehr vertieft zu haben. Wie sich dieser Sound anhört? Persönlich, Melancholisch und eben ganz nach Harry Styles. Auch ein bisschen nach einer Zeitreise in die 70er Jahre.

Drei Songs kannten wir bereits vorher. „Lights Up“ als erste Single, die den neuen Sound direkt klar macht. „Watermelon Sugar“, für mich das Pendant zu „Kiwi“ aus dem letzten Album und „Adore You“, einem Titel, der modernen, tanzbaren RnB-Klang mit Liebeslyrik verbindet.

Die Einleitung ins Album macht „Golden“ und wahrscheinlich hätte ein Einstieg nicht perfekter gewählt werden können. Der Song ist Harry’s Aufruf zum Tanzen und das auch zu Recht, wie seine eigenen Tanzeinlagen auf der Bühne zeigen. Für mich ist es außerdem das erste Mal, dass der Intro-Song eines Albums mein Lieblingstitel ist.

„Fine Line“ klingt auch in vermeintlich fröhlichen, tanzbaren Songs nach Melancholie und durch „Cherry“ und „Falling“, als womöglich gefühlvollsten Track, nach einer Mischung aus Hommage an die Liebe und Herzschmerz. Aber auch nach einer Person, die sich in diesen Songs reflektiert, in Zeilen wie „What if I’m someone, I don’t want around“ oder „I’m just an arrogant son of a bitch who can’t admit when he’s sorry“.

Am meisten hebt sich das Album durch seine Sound-Variation ab, die trotzdem zu einer perfekten Setlist zusammen kommt. Und die reicht von fast schon hawaiianischen Vibes mit „To Be So Lonely“ und „Sunflower Vol. 6“ über Indie-Rock mit „Canyon Moon“ bis hin zu „She“ als soulige Ballade, die einen mit dem elektrischen Gitarrensolo in eine Trance versetzt (ich bin so froh, dass Harry mal wieder keine Hemmungen zeigt, Songs auch einfach mal 6 Minuten ausspielen zu lassen). Aber der Song, der sich am meisten von allen anderen abhebt, ist „Treat People With Kindness“. Für mich eine Zeitreise in die 70er.

Mit dem Title Track „Fine Line“ kommt dann der epische Abschluss zu einem Album, welches durch seine gefühlvollen Zeilen, reflektierte Lyrik und unfassbar klarer Produktion der Instrumentals definitiv mein Nummer 1 Album des Jahres ist. Wir sind in der HS2 Era angekommen und ich freu mich auf die Krönung: Harry Styles Live on Tour in 2020.

Fine Line: 4.5 out of 5 stars (4,5 / 5)

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