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Heimatliebe.

He̱i̱·mat

Substantiv [die]
    1. 1.
      das Land oder die Gegend, wo man geboren und aufgewachsen ist oder wo man sich zu Hause fühlt, weil man schon lange dort wohnt.

Wann fühlt man sich so richtig zuhause? Das Gefühl von Heimat habe ich erst in den letzten Monaten so richtig gespürt. Ich meine, so richtig zuhause sein. Ich komme nicht aus Köln. Bin in einer anderen Stadt geboren und aufgewachsen. Dennoch hatte ich nie das Gefühl, dort wirklich zuhause zu sein. Ich wollte schon immer von dort weg. Ich glaube, ich habe in den letzten zwei Jahren in der Schule von nichts anderem gesprochen.

Warum ich mich nie so wirklich heimisch gefühlt habe, weiß ich auch nicht, schließlich waren meine Freunde und meine Familie ja da. Aber irgendwie fehlte immer was. Ich habe mich nie gefreut wieder zurück dorthin zu kommen. Ganz im Gegenteil: Ich war immer das Mädchen, dass weg wollte. Besonders als ich aus meinem Auslandsjahr in der 10. Klasse wiederkam, war mir klar, dass ich nicht dorthin gehöre. Nach dem Abi habe ich dann auch die erste Chance ergriffen und die Stadt verlassen. Der Versuch mir ein Leben aufzubauen, in dem ich glücklicher bin.

Wenn ich jetzt zu meinen Eltern fahre, fühlt es sich wie ein anderes Leben an. Als würde ich für die Zeit in der ich dort bin, in die Rolle eines anderen Mädchens schlüpfen. Einem Mädchen, dass sich nie 100% wohl gefühlt hat. Ein Mädchen, dass mit ihrer besten Freundin auf dem Bett lag und geplant hat in welchen Städten sie leben würden. Städten, in denen sie hundert Mal glücklicher waren.

Die meisten Leute von früher, mit denen ich noch was zu tun habe, sind ebenfalls alle ausgeflogen. Zurück ziehen mich also nur noch meine Eltern ab und an. Das ist aber okay so.

Wirklich gern, erinnere ich mich nicht an meine Schulzeit. Klar, es war nicht die schlimmste Zeit in meinem Leben und es gibt Dinge, die würde ich auch niemals ändern wollen, aber dennoch ist es eine Zeit die überwiegend negative Gefühle in mir auslöst. Die Schule selbst war der Horror. Und nein, der Grund war nicht, dass ich keine Freunde hatte oder gehänselt wurde, denn das war nicht der Fall. Ich war einfach nie wirklich glücklich. Viele Leute sagen immer „Ach, was würd ich gern in die Schulzeit zurück“. Ich bin meistens die Einzige, die anderer Meinung ist. Seitdem ich in Köln wohne, mein Studium begonnen habe und neue Freunde gefunden habe, die ich mir nicht mehr aus meinem Leben wegdenken kann oder möchte, fühle ich mich hier heimischer als ich es je anderswo getan habe.

Ich bin endlich angekommen.

Die Menschen hier sind offener, herzlicher und es gibt so viel zu tun. Ein Plus ist allerdings auch, dass es hier keine Kleinstadt-Wannabe-HighSociety-People gibt, die nichts anderes im Kopf haben, als über die Menschen herzuziehen, mit denen sie sonst „befreundet“ sind. Sie sind schon fast bemitleidenswert. Beschäftigen sich so sehr mit dem Leben anderer.. das eigene muss schon sehr langweilig sein. Das ist aber auch so ein Thema, über das ich fünf Seiten schreiben könnte.

Das, was man über Köln sagt, stimmt. Die Menschen und die Stadt hier sind anders. Und das meine ich im positivsten Sinn. Hier komm ich gerne hin zurück. Ich habe doch tatsächlich nach einer Woche Urlaub die Sehnsucht wieder in meine Wohnung zu kommen, in meinem Bett zu schlafen, in den Park nebenan zu gehen. Das hatte ich früher nie.

Nächsten Monat wohne ich zwei Jahre in Köln. Zwei Jahre, die wie im Flug vergangen sind. Mein Studium ist zur Hälfte durch und ich könnte glücklicher nicht sein. Ich bin endlich an einem Ort, der mein Zuhause ist. Und ich bin glücklicher den je.

Wenn mich also jemand fragt, wo meine Heimat ist, dann ist die Antwort immer Köln.

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1 Comment

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    […] Ich wollte unbedingt ausziehen und Köln war nicht nur die nächstgelegene Großstadt, sondern bot für mich auch eine einfache Möglichkeit eine Wohnung zu mieten. In Köln habe ich viel Zeit in meiner Kindheit verbracht, da meine Urgroßeltern hier gelebt haben und auch meine Eltern aus der Nähe kommen. Mittlerweile ist Köln meine Heimat geworden – über die ich auch in einem anderen Beitrag ges… […]

    19. Februar 2018 at 16:15 Reply
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