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Mauern einreißen mit Louis Tomlinson und „Walls“

„Walls“. Das Debütalbum von Louis Tomlinson ist endlich da. Es ist ein Album, auf das ich lange gewartet habe und eines, an das ich sehr hohe Erwartungen hatte. Fünf der insgesamt 13 Tracks sind bereits vorab erschienen, aber die Single „Kill My Mind“ gab letztendlich den Ton an.

Die Single-Auskopplungen sind nicht das Einzige, was von Louis in den letzten fünf Jahren zu hören war. Auf das Bandaus von One Direction folgte lange nichts, bis er ein Jahr später sein Schweigen brach. Mit „Just Hold On“ feat. Steve Aoki. Definitiv nicht das, was ich erwartet hatte. Auf der anderen Seite wusste ich nicht so richtig, was ich von Louis erwarten sollte, nachdem sich One Direction aufgelöst hat. Klar ist: Er war damals der stärkste Songwriter der Band. Einordnen in eine Solokarriere konnte ich ihn aber irgendwie nicht so richtig. Auch „Back To You“, ein weiteres Feature, „Just Like You“ und „Miss You“ waren elektronisch angehauchte, sehr poppige Songs, die klanglich nicht zu Louis‘ Songwriting passten. Dazu sei gesagt, dass der Druck groß sein muss, wenn die Fans erwartungsvoll neue Musik hören wollen.

Umso überraschender war der Release von „Two Of Us“ – einer Ballade über den Verlust einer vertrauten Person. Bei Louis Tomlinson ein sehr aktuelles Thema. Von da aus ging es weiter; der Ton fürs Album war gesetzt. „Kill My Mind“, „We Made It“ und „Don’t Let It Break Your Heart“ sind alle wie aus einer Zeitkapsel. Letzterer bezeugt die Bandvergangenheit deutlich, in „Habit“ kommen die Einflüsse aus den frühen 2000ern durch. Bei „Always You“ kamen mir allerdings die ersten Zweifel an diesem Debüt. Würde dieses Album jetzt so weitergehen und auf persönlicher Ebene nicht weitergedacht sein? Ein bisschen fühlt es sich so an, als würden wir, die Zuhörer, bisher nur an der Oberfläche kratzen.

In seinen Texten spricht Louis viel über seine Vergangenheit. Beziehungen, schmerzhafte Erfahrungen und das Ringen mit sich selbst sind die Leitthemen und deutlich heraus zu hören. Was Louis‘ Songwriting ausmacht, ist die Klarheit. Die Bedeutungen seiner Zeilen werden nicht hinter Metaphern versteckt, sondern einfach ausgesprochen.

Die Reise zur Selbstfindung

Trotzdem dauert es bis „Fearless“, bis sich der Knoten endlich zu lösen scheint. Mit jedem Song wird mehr preisgegeben. Stück für Stück bröckelt der Backstein. Ja, der Albumtitel könnte besser nicht passen, sodass es sich anfühlt, als würde Louis Tomlinson mit dieser Platte wirklich Mauern einreißen wollen. Zu deutlich sind die Referenzen in seinen Songs, seine melodischen Inspirationen aus den frühen 2000ern, aber auch die noch immer ersichtliche Handschrift seiner Texte. Immer wieder wurde ich an One Direction erinnert.

Stimmlich bleibt Louis sehr in seiner Komfortzone. Nur in „Defenceless“, dem vorletzten Titel, traut er sich mehr. Und das kann sich durchaus hören lassen. Genau hier ist der Zeitpunkt, an dem die Mauern ein für alle mal zerbrechen und fallen.

„Only for the Brave“ zeichnet den Abschluss zu „Walls“. Und er passt. Die Mauer ist eingerissen und mit diesem sehr kurzen – knapp 01:48-minütigen – Track scheint es eine Art Vorgeschmack zu geben. Vorgeschmack auf das, was als nächstes kommt – ich tue mich schwer, diesen Abschluss als solchen zu sehen.

Dennoch ist „Walls“ definitiv das Album geworden, was ich von Louis Tomlinsons Debüt erwartet habe. Es fühlt sich an wie eine Entwicklung, die wir live verfolgen können. Eine Geschichte der Selbstfindung, die ein offenes Ende schreibt. Ja, dieses Album hätte auch früher kommen können. Trotzdem bin ich gespannt auf das, was da noch kommt.

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